|
Ausstellung Schloss Philippsruhe Remisengalerie Sept./Okt. 2004 Skulpturenliste Frederik Egold
1.Ritter im Kampf, aus dem Jahr 2001, Material Steatit, 2.Turmwächter, aus dem Jahre 2002, Material Steatit, 3.Pickeldi aus dem Jahr 2002, Material Steatit, Kalkstein,
4.Kopf auf Alabaster , aus dem Jahr 2003, Material Steatit und Alabaster,
5.Kopfschuß aus dem Jahr 2003 Material Steatit
6.Wassermann, aus dem Jahr 2003, Material Steatit
7.Nikolai II, aus dem Jahr 2003, Material Steatit
8.Raumstation, aus dem Jahr 2003, Montage: Steatit, Keramik, Holz, Draht
9.Viertelvorzwölfte, aus dem Jahr 2003, Material: Steatit
10.Zwerg und Riese aus dem Jahr 2004, Material Steatit,
11.Bergsteiger, aus dem Jahr 2004, Material Steatit,
12.Elefant, aus dem Jahr 2004, Material Steatit,
13.Fantasie -Höhle, aus dem Jahr 2004, Material Steatit
|
|
|
Hanauer Anzeiger KULTURDienstag, 21. September 2004
Furcht ist Steingestalten ins Gesicht geschrieben Zwischen Weltschmerz und Optimismus: Frederik Egold und Dieter-Josef Bauer zeigen in der Remisengalerie „Fabelwesen und Schamane” Sicherlich gehört es zu den kostbarsten Wirkungsmöglichkeiten der bildenden Künste, dem Bürger als Individuum oder Teil der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Hinreichend wird dieser Zweck stets dann erfüllt, wenn der Mensch selbst in den Mittelpunkt eines Werks rückt. Was in Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorffan Gray” bis in den Exzess getrieben wird, versinnbildlicht - auf das Wesentliche . reduziert nicht mehr,' als die angenommene Wechselwirkung zwischen Betrachter und Kunstobjekt. Im Fall vonDorian Gray greift diese am wirksamsten, wenn der Mensch Sujet einer Skulptur oder eben eines Bildes ist. Auch eine derzeit unter der Federführung von Robert Elbe aus dem Hanauer Kulturverein ausgerichtete Ausstellung verweist sowohl auf Kunst als Spiegel der Gesellschaft, als auch auf besagte Interaktion zwischen Betrachter und Objekt. Während Dieter Josef Bauer sich dem Menschen in der Remisengalerie als gesichtsloses Massenphänomen in Acryl auf Leinwand nähert, versinnbildlicht sein Schüler Frederik Egold unsere Spezies als zwischen Weltschmerz und Optimismus schwankend in Stein gemeißelt. Unter dem Titel „Fabelwesen und Schannane bieten sie Hanau eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstverständnis an. Dabei entfaltet sich in den Bildern und Skulpturen das unverkennbare Gedankengut des Humanismus, wie Eröffnungsredner und städtischer Kulturmanager Klaus Dieter Stork zur Vernissage betonte. Frederik Egold lernte Dieter Josef Bauer 1989 in der „Werkstattgalerie 37” der „Stiftung Blindenanstalt” in Frankfurt kennen. Bauer, der dort als Lehrer arbeitete, nahm sich des schwerbehinderten Egold an und vermittelte ihm das nötige Handwerk, um seine Welt in Stein abbilden zu können. Noch heute zeichnet sich das Bedürfnis, inneren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, als Motor Egolds Kreativität aus. „Seine Arbeit ist für ihn Leben. Ohne sie ist er nicht lebensfähig. Sie ist für ihn so bedeutsam wie die Nahrungsaufnahme nicht mehr, nicht weniger”, erklärt Vater Rainer Egold stellvertretend für seinen Sohn. In den massiven Skulpturen komme Frederiks Liebe zum Leben sowie seine Verachtung gegenüber Zerstörung zum Ausdruck. Es ist die Angst vor Vernichtung und Verstümmelung sowie vor dem Tod selbst, die vielen der Steinskulpturen ins Gesicht geschrieben steht. Damit verarbeite Frederik Egold nicht nur das eigene Leiden. Darüber hinaus spiegelt sich im Werk auch der Schmerz vergaster Behinderter und Juden im Dritten Reich, gefallener Soldaten oder ausgerotteter Tierarten, berichtet Rainer Egold. Von einer „tief verwurzelten, humanen Sehnsucht”, spricht er, „seine Gedanken und Gefühle sind häufig schneller, als seine Zunge und sein Sprache sie auszudrücken vermögen”. Dieter Josef Bauer stellt den Skulpturen auf Papierschnitten basierende Piktogramme entgegen. In Lasurmalerei gestaltet er Hintergründe, die er später mit sei-nen Papiermasken bedeckt, um die Leerflächen an den Seiten wieder zu übermalen. Auf diese Weise präsentiert er jeden Kopf als durchsichtiges Objekt, dessen serieller Charakter durch das Nebeneinander vieler anderer Köpfe unterstrichen wird. So lässt er den Einzelnen zum Teil der Masse verkommen. Wie in den Arbeiten seines Schülers Frederik Egold scheint auch bei Bauer die Hoffnung auf geistige Erneuerung des Menschen durch. Es sei der Betrachter, und nicht das Leben, den Kunst wirklich widerspiegele, schreibt Oscar Wilde in „Dorffan Gray”. In der Remisengalerie am Schloss Philippsruhe mag jeder Besucher derzeit andere Erkenntnisse aus den Exponaten von Egold und Bauer ziehen. Maryanto Fischer (HA/jp)
"Fabelwesen und Schamane" ist noch bis Sonntag, 3. Oktober in der Remisengalerie zu sehen. Samstags und sonntags zwischen 14 und 18 Uhr kann die Ausstellung besucht werden.
|
|
Frankfurter Rundschau, 25.9.04, RZ, S. 32 Stilles Leid, tanzende Köpfe Skulpturen von Frederik Egold und Dieter Josef Bauers Malerei in der Remisengalerie VON REGINE SEIPEL Hanau • 24. September • Auf den Bildern von Dieter Josef Bauer tanzen geheimnisvolle Figuren. Trotz der schablonenhaften Formen herrscht stete Bewegung, wirbeln magische Symbole, Gesichter und abstrakte Zeichen mit unglaublicher Dynamik durcheinander. Der Eindruck entsteht durch die Tiefenwirkung. Bis zu zehn Schichten Acrylfarbe trägt der Künstler auf, der Gründer und Leiter der Werkstatt-Galerie 37 der Stiftung Blindenanstalt Frankfurt ist. Mit dieser Technik schafft er stets neue, sich überlappende Räume in einem Bild. Das Auftauchen der immer wieder gleichen Köpfe hat seriellen Charakter, der jedoch in den Arbeiten des Frankfurter Malers nur eine untergeordnete Rolle spielt. Durch die intensive, geschickte Farbgebung und Abwandlung der Formen bleibt jedes Element der Bildgestaltung einmalig. Es ist gerade diese Mischung aus Bekanntem und dennoch immer wieder Neuem, die an den Bildern Bauers fasziniert und zu längerer Betrachtung animiert. An diesem Punkt gibt es Parallelen zu den Skulpturen von Frederik Egold, dem jahrelangen Schüler von Dieter Josef Bauer, mit dem er nun zum Thema "Fabelwesen und Schamane" gemeinsam ausstellt. Die Köpfe aus Speckstein des blinden schwerkranken Künstlers, die schon mehrmals in Hanau zu sehen waren, sind von stillem Leid gekennzeichnet. Fast allen Objekten ist der tief geöffnete Mund, der geschlossene, in sich gekehrte Blick und die teils nur sehr sparsam angedeutete Gesichtszüge gemeinsam. Und doch entsteht keine Langeweile. Jede Figur hat als prägnanter Ausdruck des Menschseins einzigartige Gültigkeit. Dass jedes Gesicht aufs Neue den Blick festhält, schafft Egold durch den Kontrast zwischen Form und Material. Der Schwere des inneren Ausdrucks steht die betörende Sinnlichkeit des glatt polierten, sich wölbenden, runden Steins gegenüber, den man unwillkürlich streicheln möchte. So gelingt es dem Künstler, der in Hanau geboren ist und in Limeshain lebt, Leid und Lebenslust in einem überzeugenden Sinnbild zusammen zu führen, eine Spannung die teils noch durch ironische Elemente verstärkt wird. Neben den Gesichtern zeigt Egold auch einige eher spielerische Arbeiten, eine "Raumstation" mit Holz und Gips oder einen stark abstrahierten Elefanten, die zwar dekorativ sind, jedoch kaum an die Ausdruckskraft der Köpfe heranreichen. Dauer der Ausstellung: bis Sonntag, 3. Oktober, in der Remisengalerie des Kulturvereins im Schloss Philippsruhe. Geöffnet ist Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.
FR 25,9,04, RZ, S. 32
|
|